Italienisch lernen: Der Fahrplan von A1 bis C2

Stufe
A1–C2
Lesezeit
7 Minuten
Aktualisiert

Kurz gesagt

Mit 30 Minuten am Tag kommst du grob gerechnet in gut einem Jahr auf A2 und in rund zwei Jahren auf B1. Fang mit Aussprache, Artikeln und dem Präsens an, wiederhole Wörter in wachsenden Abständen und sprich von Anfang an laut mit. Ein Vorteil: Viele italienische Wörter kennst du schon aus dem Deutschen.

Inhalt
  1. Die Stufen A1 bis C2
  2. Wie lange dauert es, Italienisch zu lernen?
  3. Womit du anfangen solltest
  4. So lernst du jeden Tag, damit es hängen bleibt
  5. Was Deutschsprachigen leichtfällt und was nicht
  6. Prüfungen und Zertifikate
  7. Häufige Fragen
  8. Quellen

Italienisch ist eine der zugänglichsten Sprachen für Deutschsprachige: Man spricht fast so, wie man schreibt, Nomen haben keine Fälle wie im Deutschen, und viele Wörter kennst du schon. Dieser Guide zeigt dir, was die Stufen A1 bis C2 bedeuten, wie lange der Weg realistisch dauert und wie du jeden Tag lernst, damit es hängen bleibt.

Die Stufen A1 bis C2

Die Stufen stammen aus dem Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmen für Sprachen (GER). Sie beschreiben, was du mit einer Sprache tun kannst, nicht wie viele Vokabeln du gelernt hast. A steht für elementare, B für selbstständige und C für kompetente Sprachverwendung.

StufeWas du kannstTypische Themen
A1Dich vorstellen, bestellen, nach dem Weg fragen, einfache Fragen beantwortenBegrüßen, Zahlen und Uhrzeit, Café und Bar, Einkaufen
A2Von früher erzählen, Pläne machen, Alltagsprobleme lösenpassato prossimo, imperfetto, Wohnung, Gesundheit
B1Dich im Alltag selbstständig bewegen, reklamieren, Meinungen begründenBeruf und Bewerbung, Nachrichten, erster congiuntivo
B2Mit Muttersprachlern flüssig diskutieren und Fachtexte im eigenen Gebiet verstehencongiuntivo in allen Zeiten, Bedingungssätze, Argumentieren, Medien
C1Lange, anspruchsvolle Texte verstehen, auch was zwischen den Zeilen stehtRegister, Fachsprache, Vorträge
C2Praktisch alles mühelos verstehen und Feinheiten genau ausdrückenIronie, Literatur, Stil

Für viele Ziele reicht B1: Damit kommst du im Urlaub, beim Arzt und im Gespräch mit den Nachbarn zurecht. Wer in Italien studieren oder anspruchsvoll arbeiten will, braucht oft B2 oder mehr.

Wie lange dauert es, Italienisch zu lernen?

Das hängt vor allem davon ab, wie viel Zeit du investierst. Für Englisch nennt Cambridge English Richtwerte für begleitete Lernstunden ab null. Umgerechnet auf tägliches Lernen ergibt das ungefähr:

ZielBegleitete Lernstunden ab null15 Minuten am Tag30 Minuten am Tag60 Minuten am Tag
A2180–200gut 2 Jahregut 1 Jahrgut ein halbes Jahr
B1350–400rund 4 Jahrerund 2 Jahrerund 1 Jahr
B2500–600rund 6 Jahrerund 3 Jahrerund 1,5 Jahre
C1700–800rund 8 Jahrerund 4 Jahrerund 2 Jahre

Die Werte gelten für Englisch und sind nur ein grober Rahmen. Wie schnell es bei dir geht, hängt auch von deinen Vorkenntnissen ab: Wer Latein, Französisch oder Spanisch kann, erkennt viele Wörter und Strukturen wieder. Schneller geht es auch, wenn du zusätzlich Italienisch hörst, liest und sprichst, etwa mit Serien, Podcasts oder einem Tandem. Zum Vergleich: Das Foreign Service Institute der USA rechnet für Englischsprachige mit 24 Wochen Vollzeitunterricht, bis sie Italienisch auf beruflichem Niveau sprechen und lesen.

Womit du anfangen solltest

Am Anfang lohnt sich, was du in fast jedem Satz brauchst. Diese Reihenfolge hat sich bewährt:

  1. Aussprache und Betonung. Wer c, g, gli und Doppelkonsonanten richtig spricht, wird verstanden und versteht selbst besser. Mehr dazu im Guide zur italienischen Aussprache.
  2. Artikel und Genus. Lerne jedes Nomen mit Artikel: il libro, la casa, lo zaino. Alle Formen stehen im Guide zu den italienischen Artikeln.
  3. Das Präsens. Die regelmäßigen Verben auf -are, -ere und -ire und die wichtigsten unregelmäßigen: essere, avere, fare, andare, volere, potere.
  4. Fragen und Alltagssätze. Mit Dov'è …?, Quanto costa? und Vorrei … kommst du schon durch den ersten Urlaub.
  5. Die erste Vergangenheit. Mit dem Passato prossimo erzählst du, was du erlebt hast. Ab hier beginnt A2.
  • Buongiorno, vorrei un caffè.

    Guten Morgen, ich hätte gern einen Kaffee.

  • Quanto costa il biglietto?

    Wie viel kostet die Fahrkarte?

  • Scusi, dov'è la stazione?

    Entschuldigung, wo ist der Bahnhof?

So lernst du jeden Tag, damit es hängen bleibt

Zwei Lernprinzipien sind besonders gut untersucht:

  • Verteiltes Wiederholen (Spaced Repetition): Du wiederholst ein Wort, kurz bevor du es vergessen würdest, und die Abstände werden mit jedem Erfolg länger. Verteiltes Lernen wirkt deutlich besser als Pauken am Stück, das zeigt eine Übersichtsarbeit von Cepeda und Kollegen.
  • Aktives Abrufen: Wer sich selbst abfragt, behält mehr als jemand, der dieselbe Zeit nur liest. Das haben unter anderem Roediger und Karpicke gezeigt.

Ein Tagesplan mit 25 Minuten kann so aussehen:

  1. 5 Minuten fällige Wiederholungen
  2. 10 Minuten eine neue Lektion mit etwa zehn neuen Wörtern
  3. 5 Minuten Hören, zum Beispiel ein kurzer Dialog
  4. 5 Minuten laut sprechen: die neuen Sätze nachsprechen oder dir selbst etwas erzählen

Auf diesen beiden Prinzipien baut Tanuki auf: Die App plant jeden Tag die fälligen Wiederholungen ein, fragt aktiv ab, statt nur Karten zu zeigen, und erklärt Fehler auf Deutsch.

Was Deutschsprachigen leichtfällt und was nicht

Leichter, als du denkst

  • Die Aussprache folgt klaren Regeln. Wer sie einmal kennt, kann fast jedes Wort richtig vorlesen.
  • Nomen und Artikel haben keine Fälle. Was im Deutschen „des“ oder „dem“ ausdrückt, sagst du mit di und a: il libro di Marco (Marcos Buch), do il libro a Marco (ich gebe Marco das Buch).
  • Viele Wörter sind verwandt: la famiglia, il problema, la musica, interessante.

Schwieriger, als es aussieht

  • Das Genus weicht oft ab: il latte (die Milch), il sole (die Sonne), la luna (der Mond).
  • Das Hilfsverb in der Vergangenheit: „Ich bin geschwommen“ heißt ho nuotato, „es hat mir gefallen“ heißt mi è piaciuto.
  • Viele Verbformen: Jede Person hat eine eigene Endung. Deshalb lässt man das Pronomen meist weg und sagt Parlo italiano statt Io parlo italiano.
  • Doppelkonsonanten: sete (Durst) und sette (sieben) sind zwei verschiedene Wörter.

Falsche Freunde

Italienischbedeutetund nicht
caldowarm, heißkalt (freddo)
cameraZimmerKamera (macchina fotografica)
regaloGeschenkRegal (scaffale)
bruttohässlich, schlechtbrutto beim Gehalt (lordo)
morbidoweichmorbid (morboso)

Prüfungen und Zertifikate

Wenn du dein Niveau offiziell nachweisen willst, etwa für ein Studium oder den Beruf, gibt es mehrere anerkannte Prüfungen. Alle orientieren sich am GER, und CILS, CELI und PLIDA gibt es für jede Stufe von A1 bis C2 (Übersicht des Istituto Italiano di Cultura):

  • CILS der Università per Stranieri di Siena
  • CELI der Università per Stranieri di Perugia
  • PLIDA der Società Dante Alighieri
  • Zertifikate der Università Roma Tre für einzelne Stufen

Prüfungstermine bieten unter anderem die Italienischen Kulturinstitute und die Ortsgruppen der Società Dante Alighieri an, auch in Deutschland.

Häufige Fragen

Ist Italienisch schwer für Deutschsprachige?

Nein, Italienisch gilt als eine der leichteren Sprachen für Deutschsprachige. Die Aussprache ist regelmäßig, Nomen haben keine Fälle, und viele Wörter sind verwandt. Mehr Übung brauchen die Verbformen, das Genus und die Wahl zwischen avere und essere.

Wie lange brauche ich bis B1?

Als Richtwert gelten 350 bis 400 Lernstunden ab null. Mit 30 Minuten am Tag sind das rund zwei Jahre, mit einer Stunde täglich etwa ein Jahr. Wer zusätzlich viel hört und spricht, ist schneller.

Kann ich mit einer App allein Italienisch lernen?

Für Wortschatz, Grammatik und Hörverstehen ja, besonders bis B1. Für flüssiges Sprechen brauchst du zusätzlich echte Gespräche, etwa mit einem Tandempartner, in einem Kurs oder im Urlaub.

Soll ich erst Grammatik oder erst Wörter lernen?

Beides zusammen, und zwar in Sätzen. Ein Verb wie andare nützt dir mehr, wenn du gleich vado, vai und andiamo mitlernst und es in einem Satz wie Andiamo al mare? hörst.

Was ist der Unterschied zwischen A2 und B1?

Mit A2 kommst du in vertrauten Alltagssituationen zurecht, wenn dein Gegenüber langsam und deutlich spricht. Mit B1 verstehst du die Hauptpunkte, wenn klare Standardsprache gesprochen wird, meisterst die meisten Reisesituationen allein und begründest kurz deine Meinung.

Quellen

Geschrieben von Jason Holweg

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